📉 Methodik & Daten

Negative Strompreise 2026 — wie wir sie messen

Datenquelle, Methode und die echten Zahlen. Diese Seite ist die reproduzierbare Belegquelle, auf die sich unsere Ratgeber stützen.

📅 5. Juli 2026 👤 Stromfee 🗄️ Quelle: ENTSO-E / EPEX Day-Ahead
1.281
negative Viertelstunden 2026
320 h
Stunden-Äquivalent
−499,99
€/MWh Tiefstwert
🗄️ Datenbasis: ENTSO-E Transparency Platform / EPEX Day-Ahead, Gebotszone DE_LU, 15-Minuten-Auflösung (96 Werte/Tag). Stand 2026-07-06, Werte in €/MWh. Tabelle entsoe.day_ahead_prices (5,78 Mio Zeilen). Jede Zahl unten ist per SQL reproduzierbar (siehe unten).

Die Frage: Was ist eine „Negativstunde"?

Ein negativer Strompreis entsteht, wenn mehr Strom erzeugt wird, als gebraucht wird — typischerweise an sonnig-windigen Stunden mit hoher PV- und Windeinspeisung bei niedriger Last. Am Day-Ahead-Markt fällt der Preis dann unter null: Wer einspeist, zahlt in dieser Zeit dafür, statt Erlöse zu bekommen. Für PV- und Speicher-Betreiber ist das direkt erlösrelevant (§51 EEG, Direktvermarktung).

Datenquelle & Auflösung

Wir nutzen die veröffentlichten Day-Ahead-Preise der ENTSO-E für die deutsch-luxemburgische Gebotszone (DE_LU). Seit 2025 liegen die Preise in Viertelstunden vor (96 Werte pro Tag) statt in Stunden. Wir zählen deshalb konsequent negative Viertelstunden und rechnen für die Alltagssprache in Stunden-Äquivalente um (÷ 4).

⚠️ Sauber bleiben: „320 Stunden" ist ein Äquivalent aus 1.281 negativen Viertelstunden — nicht 320 volle Uhr-Stunden am Stück. Wer stündlich zählt, unterschätzt; wer Viertelstunden als Stunden ausgibt, überschätzt um das Vierfache.

Methodik

Eine Viertelstunde gilt als negativ, wenn price < 0. Der Anteil ist negative Viertelstunden geteilt durch alle Viertelstunden im Zeitraum — unabhängig von Datenlücken vergleichbar:

SELECT
  countIf(price < 0)                    AS negative_viertelstunden,
  count()                               AS viertelstunden_gesamt,
  round(100*countIf(price<0)/count(),1) AS anteil_prozent,
  round(min(price),2)                   AS tiefstwert_eur_mwh
FROM entsoe.day_ahead_prices
WHERE area = 'DE_LU' AND toYear(timestamp) = 2026;

Die Zahlen 2026 (bis 6. Juli)

1.281 negative Viertelstunden · ≈ 320 Stunden-Äquivalent · 7,2 % aller Viertelstunden · Tiefstwert −499,99 €/MWh (technisches EPEX-Preislimit, erreicht im Mai).

Der Monatsverlauf zeigt klar den Frühjahrs-/Sommer-PV-Effekt — der April dominiert:

Monat 2026 neg. Viertelstunden Tiefstwert €/MWh
Januar10−0
Februar23−0,6
März139−13,3
April492−480
Mai315−500
Juni199−53
Juli (5 Tage)103−11,8

Trend: negative Preise werden häufiger

Als vergleichbares Maß nehmen wir den Anteil negativer Viertelstunden pro Jahr (selbst-normierend, robust gegen Datenlücken). Er hat sich seit 2021 mehr als verdreifacht:

Jahr Anteil negativ Tiefstwert €/MWh
20211,9 %−150
20221,3 %−150
20234,9 %−500
20245,2 %−143
20254,7 %−250
20267,2 %−500

Hinweis: absolute Zählungen sind zwischen den Jahren nur bedingt vergleichbar (Auflösung/Vollständigkeit variieren), der Anteil ist es. 2026 ist mit 7,2 % der höchste Wert der Reihe.

Was das für Betreiber bedeutet

In negativen Viertelstunden fällt der Marktwert weg — in der Direktvermarktung droht sogar Draufzahlen, und die §51-EEG-Bagatellgrenze (2026 = 2 h) greift. Wer gezielt abregelt oder einen Batteriespeicher lädt, macht aus dem Problem einen Vorteil.

Reproduzierbarkeit

Wir veröffentlichen die Methode bewusst offen: Jede genannte Zahl lässt sich mit der SQL oben gegen entsoe.day_ahead_prices nachrechnen. So bleibt „negative Strompreise steigen" keine Behauptung, sondern ein prüfbarer Befund — und genau darauf verweisen unsere Ratgeber, wenn sie Zahlen nennen.