DE_LU,
15-Minuten-Auflösung (96 Werte/Tag). Stand 2026-07-06, Werte in €/MWh. Tabelle entsoe.day_ahead_prices (5,78 Mio Zeilen).
Jede Zahl unten ist per SQL reproduzierbar (siehe unten).
Die Frage: Was ist eine „Negativstunde"?
Ein negativer Strompreis entsteht, wenn mehr Strom erzeugt wird, als gebraucht wird — typischerweise an sonnig-windigen Stunden mit hoher PV- und Windeinspeisung bei niedriger Last. Am Day-Ahead-Markt fällt der Preis dann unter null: Wer einspeist, zahlt in dieser Zeit dafür, statt Erlöse zu bekommen. Für PV- und Speicher-Betreiber ist das direkt erlösrelevant (§51 EEG, Direktvermarktung).
Datenquelle & Auflösung
Wir nutzen die veröffentlichten Day-Ahead-Preise der ENTSO-E für die deutsch-luxemburgische Gebotszone (DE_LU). Seit 2025 liegen die Preise in Viertelstunden vor (96 Werte pro Tag) statt in Stunden. Wir zählen deshalb konsequent negative Viertelstunden und rechnen für die Alltagssprache in Stunden-Äquivalente um (÷ 4).
Methodik
Eine Viertelstunde gilt als negativ, wenn price < 0. Der Anteil ist negative Viertelstunden geteilt durch alle Viertelstunden im Zeitraum — unabhängig von Datenlücken vergleichbar:
SELECT
countIf(price < 0) AS negative_viertelstunden,
count() AS viertelstunden_gesamt,
round(100*countIf(price<0)/count(),1) AS anteil_prozent,
round(min(price),2) AS tiefstwert_eur_mwh
FROM entsoe.day_ahead_prices
WHERE area = 'DE_LU' AND toYear(timestamp) = 2026;
Die Zahlen 2026 (bis 6. Juli)
Der Monatsverlauf zeigt klar den Frühjahrs-/Sommer-PV-Effekt — der April dominiert:
| Monat 2026 | neg. Viertelstunden | Tiefstwert €/MWh |
|---|---|---|
| Januar | 10 | −0 |
| Februar | 23 | −0,6 |
| März | 139 | −13,3 |
| April | 492 | −480 |
| Mai | 315 | −500 |
| Juni | 199 | −53 |
| Juli (5 Tage) | 103 | −11,8 |
Trend: negative Preise werden häufiger
Als vergleichbares Maß nehmen wir den Anteil negativer Viertelstunden pro Jahr (selbst-normierend, robust gegen Datenlücken). Er hat sich seit 2021 mehr als verdreifacht:
| Jahr | Anteil negativ | Tiefstwert €/MWh |
|---|---|---|
| 2021 | 1,9 % | −150 |
| 2022 | 1,3 % | −150 |
| 2023 | 4,9 % | −500 |
| 2024 | 5,2 % | −143 |
| 2025 | 4,7 % | −250 |
| 2026 | 7,2 % | −500 |
Hinweis: absolute Zählungen sind zwischen den Jahren nur bedingt vergleichbar (Auflösung/Vollständigkeit variieren), der Anteil ist es. 2026 ist mit 7,2 % der höchste Wert der Reihe.
Was das für Betreiber bedeutet
In negativen Viertelstunden fällt der Marktwert weg — in der Direktvermarktung droht sogar Draufzahlen, und die §51-EEG-Bagatellgrenze (2026 = 2 h) greift. Wer gezielt abregelt oder einen Batteriespeicher lädt, macht aus dem Problem einen Vorteil.
Reproduzierbarkeit
Wir veröffentlichen die Methode bewusst offen: Jede genannte Zahl lässt sich mit der SQL oben gegen entsoe.day_ahead_prices nachrechnen. So bleibt „negative Strompreise steigen" keine Behauptung, sondern ein prüfbarer Befund — und genau darauf verweisen unsere Ratgeber, wenn sie Zahlen nennen.